Kübelpflanzen stehen hoch im Kurs. Sie finden überall ein Plätzchen, verschönern Wege,
Zufahrten oder Treppen und bringen Farbe auf Balkon und Terrasse. Sie beleben vernachlässigte Bereiche
im Garten und unterstützen interessante architektonische Details. Auch wer keinen Garten hat, braucht
auf Natur nicht zu verzichten. Sogar kleinste Bereiche lassen sich mit Pflanzen in Gefäßen
stimmungsvoll gestalten und selbst in einem Kasten auf der Fensterbank oder am Balkongeländer kann ein
Miniaturgarten entstehen. Waren es zuerst meist nicht winterharte Pflanzen aus anderen Klimazonen, die
notgedrungen ein Leben im Kübel führten, werden heute immer mehr winterharte Gehölze und
Stauden für die Kübelkultur entdeckt. Mit ihnen kann man auch während der frostigen Zeit
zwischen Oktober und April Gestaltungsideen umsetzten und spart die aufwendige Überwinterung im
Wintergarten oder Keller.
Allerdings kommt nicht jede Pflanze, die im gewachsenen Boden selbst strenge Winter unbeschadet übersteht,
im Kübel ebenso gut mit den tiefen Wintertemperaturen zurecht. Hauptgrund sind die unterschiedlichen
Bodentemperaturen. Im gewachsenen Boden werden die für viele Pflanzen existenzbedrohenden Temperaturen nur
selten erreicht. Der Boden kühlt sehr langsam ab, und ab 10 cm Tiefe werden -6°C kaum unterschritten. Im
Kübel dagegen können die Temperaturen wesentlich schneller kritische Werte erreichen. So gleicht sich
manchmal schon nach einigen Stunden die Substrattemperatur der Lufttemperatur an. Man kann sich also eine
Vorstellung von der Belastung der Wurzeln bei länger anhaltenden Lufttemperaturen von -15 bis -20°C machen,
welche bei uns auch in weniger strengen Wintern regelmäßig auftreten. Gefrorener Boden bedeutet
zusätzlich auch Bodentrockenheit. Das ist besonders für Immergrüne problematisch, da sie ihren
Wasserbedarf aus anhaltend gefrorenem Boden, selbst wenn die Transpiration eingeschränkt ist, nicht decken
können. Die sinnvollste Vorbeugung gegen solche Frostschäden ist die richtige Pflanzenwahl. Darüber
hinaus hat die Wahl des Gefäßes eine gewisse Bedeutung. Materialien wie Holz oder Kunststoff haben im
Gegensatz zu Stein, Ton oder Eisen nur eine geringe Wärmeleitfähigkeit und kühlen deshalb langsamer
ab. Die Größe der Töpfe, Tröge oder Wannen hängt von der geplanten Bepflanzung ab.
Ausschlaggebend ist nicht nur die zu erwartende Größe der Pflanzen, sondern auch das Wurzelwachstum.
Der Kübel muss so groß dimensioniert sein, das ausreichend Wurzelraum für mehrere Jahre zur
Verfügung steht. Flache Schalen, auch wenn sie noch so attraktiv sind, eignen sich höchstens für
einen vorübergehenden Blütenschmuck. Tiefwurzler, wie z.B. Rosen, brauchen tiefe Gefäße,
flachwurzelnde Rhododendren wachsen am besten in breiten Gefäßen. Und nicht vergessen: Große
Kübel und Tröge auf Füße stellen. Das sorgt für einen besseren Wasserabzug, schafft
ein Luftpolster unter dem Gefäß und vermindert das Einwandern von Schädlingen in den Kübel.
Für welche Pflanzen sie sich entscheiden, hängt vom persönlichen Geschmack und den räumlichen
Gegebenheiten ab. Eine Südterrasse erfordert andere Gewächse als ein eher schattiger Hof oder eine Treppe
an der Nordseite des Hauses. Beliebte Kombinationen für sonnige Standorte bestehen z.B. aus Rosen, Clematis und
Lavendel. Besonders die kompakten und bis unten belaubten Patiorosen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Freunde
formierter Pflanzen kommen beim Buchsbaum auf Ihre Kosten. Ob Kugel, Kegel oder Phantasieformen, er lässt alles
aus sich machen. Da er Schatten und Halbschatten verträgt, kann er auch gut mit Funkien kombiniert werden. Kommt
es auf einen effektiven Sichtschutz an, eignen sich geschnittene, mobile Hecken oder Rankgerüste mit Kletterpflanzen.
Großer Vorteil der mobilen Gärten ist, man kann ihnen immer wieder ein neues Aussehen verleihen. Ohne die
Pflanzen ausgraben zu müssen, können neue Gestaltungsideen sofort umgesetzt werden. Pflanzen mit besonders
schönen Blüten werden ein wenig in den Vordergrund gerückt, abgeblühte wandern in hintere Regionen.
Für ein Frühlingsarrangement kommen Töpfe mit blühenden Schneeglöckchen, Krokussen, Narzissen
oder Hyazinthen dazu, die im Sommer und Herbst durch Blüten- oder Blattschmuckstauden ersetzt werden. Auf dem Weg
zu Ihrem eigenen kleinen Paradies können Sie nach Lust und Laune ausprobieren und ihrer Kreativität freien
Lauf lassen.
H.-R. Müller