Das Schneiden und Formen von Pflanzen gehört zu den wichtigsten Gartenarbeiten. Zwar wachsen unsere
Ziergehölze wie in der Natur auch ohne Schnitt, doch unterstützt sachgemäßes Schneiden
bei vielen Arten ihre volle Entfaltung und bewirkt üppige Blütenpracht, reichen Fruchtbehang oder
dekorativen Blattschmuck. Wird der Schnitt vernachlässigt oder falsch ausgeführt, lässt die
Enttäuschung nicht lange auf sich warten. Viele Gehölze verwildern, nehmen zu viel Platz ein oder
sehen einfach nur ungepflegt aus. Im Lebenslauf der Ziergehölze wird grundsätzlich zwischen 3
verschieden Schnittmaßnahmen unterschieden.
Der Pflanzschnitt ist nur bei wurzelnackten Gehölzen unbedingt notwendig. Er gleicht deren Wurzelverlust
aus und erzielt bei Sträuchern eine bessere Verzweigung. Dazu werden geschädigte Wurzeln sauber
abgeschnitten und die oberirdischen Triebe um ca. 1/3 eingekürzt bzw. schwache und alte Triebe entfernt.
Alle mit Ballen oder im Topf gelieferten Pflanzen bedürfen in der Regel keines Pflanzschnittes.
Ein Erziehungsschnitt dient der Ausbildung einer ausgewogenen, tragfähigen Krone. Er ist nur bei Zierbäumen
wie der Japanischen Zierkirsche (Prunus serrulata Sorten), Zier-Äpfeln (Malus) oder Sträuchern
(z.B. Cornus mas) die zu einer Baumform erzogen werden sollen, notwendig. Ohne Erziehungsschnitt entwickeln diese
zu dichte und wenig ansehnliche Kronen. Um ein lockeres Grundgerüst zu erziehen, werden in den ersten Jahren
vor allem schwach entwickelte und nach innen wachsende Triebe entfernt. Konkurrenztriebe zum Leittrieb bzw. zu
den 3-4 Hauptästen werden ebenfalls herausgenommen. Bei allen Sträuchern und immergrünen
Gehölzen ist der Erziehungsschnitt entbehrlich.
Der Instandhaltungsschnitt beinhaltet die umfangreichsten Schnittmaßnahmen und bezieht sich in erster Linie
auf unsere Ziersträucher. Gezielte, regulierende Eingriffe, welche die natürliche Wuchsform sowie das
Blühen und Fruchten unterstützen, sind die Zielsetzung des Instandhaltungschnittes. Nicht
erfolgversprechend ist das oft gesehene schematische Zurechtstutzen. Alle Triebe werden gleichmäßig
auf kurze Stummel zurückgenommen, kein Zweig darf überhängen oder "aus der Reihe tanzen".
Dabei werden nicht nur Blüten und Früchte des kommenden Jahres weggeschnitten, sondern das Gehölz
wird auch zu einem verstärkten Neutrieb gezwungen, der im kommenden Jahr wieder einen starken Rückschnitt
herausfordert. Unnötigerweise ist das Schneiden der Ziersträucher für viele noch immer ein Buch mit
sieben Siegeln. Es ist nicht schwieriger als andere Gartenarbeiten. Der Erfolg hängt hauptsächlich von
aufmerksamer Beobachtung und einigen Grundkenntnissen über Wuchseigenschaften sowie Blüten- und
Fruchtbildung ab. So unterscheiden wir grundsätzlich nur 5 verschiedene Schnittgruppen.
Sommergrüne Sträucher, die an vorjährigen Trieben blühen und nach der Blüte geschnitten
werden
Die frühjahrsblühenden Sträucher blühen an ein- oder mehrjährigen Trieben und bilden ihre
Blütenknospen schon im Vorjahr aus. Man lichtet sie in regelmäßigen Abständen (alle 2-4 Jahre)
nach der Blüte aus. Dazu werden die ältesten und mittlerweile blühfaulen Zweige entfernt, um Platz
für blühwillige Neutriebe zu schaffen. Altes Holz wird direkt über dem Boden herausgeschnitten oder
"abgeleitet", d.h. alte Zweige werden bis auf einen jüngeren Seitentrieb am selben Ast zurückgesetzt.
Schwache und vertrocknete Seitentriebe können dabei mit entfernt werden. Es ist wichtig, dass unmittelbar nach
der Blüte geschnitten wird, so dass dem jungen Holz genügend Zeit bleibt sich zu entwickeln, Blütenknospen
anzulegen und vor dem Winter auszureifen. Sehr lange und kräftige Neutriebe können eingekürzt werden
um deren Verzweigung zu fördern.
Gesondert zu behandeln ist der Ginster (Cytisus), der nicht bis ins alte Holz zurückgeschnitten werden kann.
Damit er dicht und buschig bleibt, werden hier die abgeblühten Triebe nur auf junge Basistriebe
zurückgeschnitten. Beim Ranunkelstrauch (Kerria japonica) hingegen werden abgeblühte Triebe, die im Winter
darauf meist absterben, bis zum Boden oder auf weit unten sitzende, kräftige Seitentriebe zurückgeschnitten.
Dies fördert das Wachstum neuer Triebe und steigert deren Blütenreichtum. Einen regelmäßigen,
sehr starken Rückschnitt direkt nach der Blüte verträgt das Mandelröschen. Die 1-jährigen
Ruten werden auf die untersten Neutriebe zurückgesetzt, die daraufhin wieder zu starken Ruten heranwachsen.
Wird wenig geschnitten, vergreist der Strauch sehr schnell und ist anfälliger gegenüber der Monilia-Spitzendürre.
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Sommergrüne Sträucher, die an vorjährigen Trieben blühen und nach der Blüte geschnitten werden |
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|---|---|---|
| Berberis – sommergrüne Arten | Sauerdorn | |
| Chaenomeles Hybriden | Zierquitten | |
| Corylus avellana | Haselnuss | |
| Cytisus scoparius / praecox Hybriden | Besen-Ginster | nicht ins alte Holz schneiden |
| Forsythia intermedia Sorten | Goldglöckchen | |
| Kerria japonica ‘Pleniflora‘ | Ranunkelstrauch | abgeblühte Triebe vollständig entfernen |
| Prunus triloba | Mandelröschen | jährlich starker Rückschnitt |
| Ribes sanguineum ‘King Edward‘ | Zier-Johannisbeere | |
| Salix caprea ‘Pendula‘ | Hänge-Kätzchenweide | jährlich starker Rückschnitt |
| Spiraea x vanhouttei | Prachtspiere | |
| Spiraea cinerea ‘Grefsheim‘ | Brautspiere |
Sommergrüne Sträucher, die an vorjährigen Trieben blühen und im Winter geschnitten werden
Frühsommerblüher müssen grundsätzlich genauso behandelt werden wie die Frühjahrsblüher.
Doch liegt auf Grund der späteren Blüte der Schnitt-Termin im Winter. Wird nach der Blüte geschnitten,
besteht die Gefahr, dass der Neutrieb zu schwach bleibt und die Sträucher an Triebkraft und Blühwilligkeit
verlieren. Deshalb verjüngt man diese Sträucher alle paar Jahre im Winter wie oben beschrieben auf starke
Neutriebe aus den Stämmen bzw. aus der Basis.
Eine Sonderstellung nehmen die erst im Sommer blühenden Gartenhortensien (Hydrangea macrophylla Sorten) ein.
Bei Ihnen entfernt man erst im Frühjahr ca. 1/3 der alten Triebe vollständig. Bei den verbleibenden Zweigen
werden die alten Blütenstände bis zum nächsten starken Knospenpaar zurückgeschnitten. Eine
weitere Ausnahme bildet die Amethystbeere (Symphoricarpos ‘Amethyst‘). Sie kann im Winter auch vollständig
zurückgeschnitten werden, da der beste Blüten- und Fruchtansatz an jungen Neutrieben erscheint.
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Sommergrüne Sträucher, die an vorjährigen Trieben blühen und im Winter geschnitten werden |
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|---|---|---|
| Deutzia x rosea, scabra | Sternchenstrauch | |
| Hydrangea macrophylla Sorten | Bauern-Hortensie | im Frühjahr |
| Kolkwitzia amabilis | Perlmuttstrauch | |
| Ligustrum vulgare, ovalifolium | Rainweide | |
| Lonicera tatarica | Tatarische Heckenkirsche | |
| Philadelphus ‘Schneesturm‘ | Gartenjasmin | |
| Symphoricarpos ‘Amethyst‘ | Amethystbeere | kann vollständig zurückgesetzt werden |
| Syringa vulgaris Hybriden | Edel-Flieder | |
| Weigela Hybriden | Weigelien |
Sommergrüne Sträucher, die an diesjährigen Trieben blühen und zu Frühjahrsbeginn geschnitten werden
Die Sträucher dieser Gruppe bilden ihre Blüten an der Spitze (Sommerflieder, Rispenhortensie) oder
entlang (Bartblume, Eibisch) der diesjährigen Neutriebe. Die Vorjahrestriebe werden hier im zeitigen
Frühjahr bis auf wenige basale Augen zurückgeschnitten. Oft ist man bei diesen Gehölzen ohnehin
gezwungen die einjährigen Triebe stark einzukürzen, wenn sie in strengen Wintern erfroren sind (Sommerflieder,
Säckelblume, Silberstrauch, Freilandfuchsie, Kamminze). Bei stark- und mittelstark wachsenden Sträuchern
(Rispenhortensie, Eibisch, Bartblume) werden die Triebe auf ein mehr oder weniger dauerhaftes Astgerüst
zurückgenommen. Wird das Astgerüst nach einigen Jahren zu dicht (z.B. Sommerflieder), sollte beim
jährlichen Schnitt auch altes Holz herausgenommen werden. Bei einigen schwächer wachsenden Arten
(Spiraea japonica Hybriden, Johanniskraut) kann das Astgerüst auch einmal vollständig zurückgesetzt
werden. Bei Halbsträuchern (Silberstrauch, Gamander, Salbei, Kamminze) werden die Triebe jährlich fast bis zur Erde
zurückgenommen. Um Höhe zu gewinnen kann eine kurze Holzbasis belassen werden.
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Sommergrüne Sträucher, die an diesjährigen Trieben blühen und zu Frühjahrsbeginn geschnitten werden |
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|---|---|---|
| Buddleja davidii Sorten | Sommerflieder | |
| Caryopteris clandonensis Sorten | Bartblume | |
| Ceanothus | Säckelblume | |
| Cephalanthus occidentalis | Knopfbusch | |
| Hibiscus syriacus Hybriden | Garten-Eibisch | |
| Hydrangea paniculata Sorten | Rispen-Hortensie | |
| Hypericum | Johanniskraut | |
| Lavandula angustifolia Sorten | Lavendel | |
| Rosa Hybriden | Beet- und Hochstammrosen | |
| Spiraea japonica Hybriden | Sommer-Spiersträucher | |
| Perovskia | Silberstrauch | Rückschnitt bis zur Erde |
| Teucrium chamaedrys | Gamander | Rückschnitt bis zur Erde |
Sommergrüne Sträucher, die im Winter stark geschnitten werden um Rinden- oder Laubfarbe zu verbessern
Die Sträucher dieser Gruppe werden hauptsächlich wegen ihres schönen Blattwerks oder der
außergewöhnlichen Rindenfärbung gepflanzt. Durch einen scharfen Rückschnitt im Winter
oder zeitigen Frühjahr kann man deren Schmuckwirkung enorm steigern. Schneidet man Sträucher mit
farbigen Trieben stark zurück, bilden sie neue Triebe, die im Winter einen höheren Zierwert haben
als ältere Zweige. Besonders beim Hartriegel, der Tangutischen Himbeere und einigen Weidenarten kann man
das beobachten. Ausgesprochene Blattschmuckpflanzen wie der Rote Perückenstrauch, die Bluthasel oder buntlaubige
Formen des Holunders reagieren auf einen starken Rückschnitt ebenfalls sehr positiv, d.h. sie zeigen einen
kompakten Wuchs sowie große, gesunde und gut ausgefärbte Blätter. Außerdem ist es so
möglich, in relativ kleinen Gärten Pflanzen zu kultivieren, die ohne Rückschnitt zu groß
wären. Da die meisten Sträucher dieser Gruppe am vorjährigen Holz blühen, muß man
allerdings auf die Blüte verzichten. Die langanhaltende winterliche Rindenfärbung bzw. der schöne
sommerliche Blattschmuck trösten darüber aber leicht hinweg.
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Sommergrüne Sträucher, die im Winter stark geschnitten werden um Rinden- oder Laubfarbe zu verbessern |
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|---|---|
| Cornus alba ‘Sibirica‘ | Rotrindiger Hartriegel |
| Cornus stolonifera ‘Flaviramea‘ | Gelbrindiger Hartriegel |
| Rubus cockburnianus | Tangutische Himbeere |
| Salix alba ‘Vittelina‘ | Silber-Weide |
| Salix daphnoides ‘Leuka‘ | Reif-Weide |
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Sommergrüne Sträucher, die im Winter stark geschnitten werden um den Blattschmuck zu verbessern |
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|---|---|
| Corylus maxima ‘Purpurea‘ | Blut-Hasel |
| Cotinus coggygria ‘Royal Purple‘ | Roter Perückenstrauch |
| Ligustrum ovalifolium ‘Aureum‘ | Gold-Liguster |
| Sambucus canadensis ‘Aurea‘ | Gelblaubiger Holunder |
| Sambucus nigra ‘Black Beauty‘ | Rotlaubiger Holunder |
| Sambucus racemosa ‘Plumosa Aurea‘ | Gelblaubiger Berg-Holunder |
Immer- und sommergrüne Gehölze die nicht oder nur in Ausnahmefällen geschnitten werden
Die meisten unserer Gartengehölze werden nie so dicht wie die Sträucher der bisher beschriebenen
Gruppen und benötigen deshalb auch keinen regelmäßigen Schnitt. Da viele nicht in der Lage
sind sich aus schlafenden Knospen oder bodenbürtigen Trieben zu erneuern, ist ein Instandhaltungsschnitt
im oben beschriebenen Sinn auch nicht möglich. Schnittmaßnahmen beschränken sich daher auf ein
sparsames Auslichten zu dicht stehender, kranker oder abgestorbener Zweige. Es handelt sich dabei vor allem um
"wertvolle" Arten wie Zaubernuß, Magnolie, Fächerahorn oder verschiedene Schneeballarten. Ebenso zu
behandeln sind alle immergrünen Gehölze, incl. unserer Nadelgehölze.
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Immer- und sommergrüne Gehölze die nicht oder nur in Ausnahmefällen geschnitten werden |
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|---|---|
| Acer palmatum | Fächer-Ahorn |
| Acer shirasawanum ‘Aureum‘ | Japanischer Gold-Ahorn |
| Cornus florida, kousa | Blumen-Hartriegel |
| Corylopsis pauciflora | Scheinhasel |
| Hamamelis x intermedia | Zaubernuss |
| Ilex aquifolium, x meservae | Stechpalme |
| Laburnum watereri, anagyroides | Goldregen |
| Magnolia-Arten | Magnolien |
| Malus Hybriden | Zier-Apfel |
| Prunus serrulata Sorten | Zier-Kirsche |
| Rhododendron-Arten | Alpenrose |
| Rhus typhina | Essigbaum |
| Viburnum plicatum ‘Mariesii‘ | Etagen-Schneeball |
H.-R. Müller