Winterharte Kirschlorbeer

Der Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus), manchmal auch als Lorbeerkirsche bezeichnet, gehört seit einigen Jahren neben Rhododendron und Buchsbaum zu den beliebtesten immergrünen Laubgehölzen. Kaum ein Pflanzenverwender verzichtet heute auf dessen Einsatz, weiß er doch seine positiven Eigenschaften zu schätzen. Anspruchslos, schatten- und trockenheitsverträglich, immergrünes Blattwerk, das sind die Pluspunkte. Einziger Kritikpunkt der öfter zu hören ist, die mangelnde Winterhärte in vielen Teilen Deutschlands. Bei Auswahl der richtigen Sorte könnte auch dieser Kritikpunkt der Vergangenheit angehören, zudem in den letzten Jahren einige neue und gut winterharte Sorten eingeführt wurden. Das Sortiment reicht von kleinen, flachwüchsigen Sorten, die besonders in Gruppen oder als Bodendecker eingesetzt werden, bis hin zu starkwüchsigen, hohen Heckenpflanzen. Für Einzelstellung in Rabatten oder kleine Abgrenzungen stehen auch schwächer wachsende, rundlich-kompakte Sorten zur Verfügung.


Klein und breitwüchsig

Die robustesten Kirschlorbeer findet man bei den eher klein bleibenden und sich flach ausbreitenden Sorten. Da Schäden in erster Linie durch Frosttrocknis und nicht nur durch tiefe Temperaturen hervorgerufen werden, ist hier die Wuchsform für die bessere Winterhärte verantwortlich. Flach wachsende und meist in Gruppen stehende Sorten sind, besonders bei Schneebedeckung, besser vor Wintersonne und austrocknenden Winden geschützt. Die Sorte ‘Mount Vernon‘, ein ausgesprochener Zwerg unter den Kirschlorbeer, ist mit 30 cm Höhe und ihrer sehr kompakten und flach ausgebreiteten Wuchsform ein wertvoller, niedriger Flächenbegrüner. Für Gruppenpflanzungen oder größere Flächen bieten sich die beiden Spitzensorten ‘Cherry Brandy‘ und ‘Mischeana‘ an. Sie werden etwa doppelt so breit (1,5-2 m) wie hoch, haben schmal elliptische, dunkelgrüne und stark glänzende Blätter und eignen sich als zwei der Winterhärtesten im Sortiment auch für rauhere Lagen. Sie gedeihen im trockenen Schattenbereich unter Bäumen und passen in waldartigen Partien als gediegener Hintergrund zu Farnen, Astilben oder Funkien. Etwas kompakter ist die bewährte Sorte ‘Otto Luyken‘. Sie besticht durch ihre sehr schmalen, tief dunkelgrünen Blätter und die im Mai zahlreich erscheinenden, bis 12 cm langen, weißen Blütentrauben. Alle Kirschlorbeer gehören zusammen mit Mahonie, Eibe, Stechpalme oder Efeu zu den ausgesprochenen Schatten- und Wurzeldruckbezwingern und machen trotz der Streßsituation immer einen makellosen, stets glänzenden Eindruck.


Rundlich kompakt

Suchen Sie mittelgroße Einzeldarsteller für Rabatten, vor Hauswänden oder in Rasenflächen, sind die neuen, rundlich-kompakten, gut 1,5 m hohen Sorten ‘Etna‘ und ‘Mano‘ bestens geeignet. Ihr attraktives, glänzend dunkelgrünes Laub und die dichtbuschige Verzweigung machen sie zu einem Blickfang für jeden Garten. Während ‘Mano‘ reichlich Blüten hervorbringt steigert ‘Etna‘ sein gutes Aussehen in den Sommermonaten noch mit einem bronzefarbenen Blattaustrieb. Als Ersatz für den Echten Lorbeer (Laurus nobilis) eignen sich beide, wie alle genannten Sorten auch als Kübelpflanze. Achten Sie nur auf einen stets feuchten Ballen und wählen im Winter, um Frosttrocknis zu vermeiden, einen eher schattigen Stellplatz.


Hoch aufrecht

Für hochwachsende Formen, die oft als Heckenpflanze genutzt werden, trägt neben der Sortenwahl besonders die Auswahl des richtigen Standortes zum guten Gedeihen bei. Für eine ansehnliche Kirschlorbeerhecke sollten nur klimatisch günstige Lagen in Betracht gezogen werden, da keine der zur Verfügung stehenden Sorten für rauhe, windige und stark der Wintersonne ausgesetzte Standorte geeignet ist. Bewährt haben sich ‘Herbergii‘, ‘Leander‘ oder ‘Schipkaensis Macrophylla‘, die allesamt für bis zu 2 m hohe Hecken genutzt werden können. Darüber hinaus lassen sie sich gut als Solisten oder in Kombination mit anderen Immergrünen, wie Rhododendron, Stechpalme (Ilex), Schattenglöckchen (Pieris) oder Feuerdorn (Pyracantha) einsetzen. Sehr schön und in jeder Hinsicht Exklusivität ausstrahlend, ist die oft angebotene ‘Rotundifolia‘. Ihr außerordentlich großes, frischgrünes Blatt ist sehr attraktiv, reagiert in sonniger Lage aber auf Frosttrocknis sehr empfindlich und bleibt deshalb nur schattigen, geschützten oder sehr milden Lagen vorbehalten. Sollten nach strengen Wintern trotzdem einmal Blatt- oder Triebschäden auftreten, können alle Kirschlorbeer im März/April bis ins gesunde Holz zurückgeschnitten werden. Selbst ein kräftiger Rückschnitt bis tief ins alte Holz wird nicht übel genommen. Besonders alte oder zu groß gewordene Einzelexemplare und Hecken können auf diese Weise wieder verjüngt werden. Der jährliche Schnitt streng formierter Hecken erfolgt ebenfalls im Frühling. Bei gutem Zuwachs kann ein zweites Mal im Spätsommer sinnvoll sein.



Kleine und breitwüchsige Kirschlorbeer

  Höhe (cm) Breite (cm) Winterhärte Blüte
‘Mount Vernon‘ 30 60-100 sehr gut keine Blüte
‘Cherry Brandy‘ 70-100 150-250 sehr gut mittelstark blühend
‘Mischeana‘ 70-100 150-250 gut mittelstark blühend
‘Otto Luken‘ 90-120 130-150 gut reich blühend



Mittelhohe, rundlich-kompakte Kirschlorbeer

  Höhe (cm) Breite (cm) Winterhärte Blüte
‘Etna‘ 150-180 150-200 gut schwach blühend
‘Mano‘ 130-160 130-180 sehr gut reich blühend



Hochwachsende, für Hecken geeignete Kirschlorbeer

  Höhe (cm) Breite (cm) Winterhärte Blüte
‘Herbergii‘ 200-250 130-150 sehr gut mittelstark blühend
‘Leander‘ 180-220 150-200 sehr gut mittelstark blühend
‘Schipkaensis Macrophylla‘ 180-250 150-200 sehr gut reich blühend
‘Rotundifolia‘ 200-280 150-200 befriedigend keine Blüte






H.-R. Müller






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